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Coworking ist erwachsen geworden: Warum Unternehmen heute private Büros statt Flex Desks suchen

Coworking begann als Lösung für Freelancer und kleine Start-ups. Offene Flächen, geteilte Tische, Community. Zwei Jahrzehnte später hat sich das Bild gedreht. Den grössten Teil der Nachfrage machen heute etablierte Unternehmen und Teams aus. Und sie suchen kein Flex Desk im Grossraum, sondern abschliessbare, private Büros.

Vom Einzelplatz zum Unternehmensstandort

In den Anfangsjahren war das Flex Desk das Aushängeschild der Branche: ein Platz nach Bedarf, buchbar für Stunden oder Tage. Das Modell funktioniert für Einzelpersonen bis heute. Für Unternehmen reicht es nicht mehr. Die Nachfrage nach privaten Büros hat das offene Modell inzwischen überholt. Bis 2025 entfallen im Schnitt rund 80 Prozent der Coworking-Fläche auf private, geschlossene Büros, nur etwa 20 Prozent auf offene Plätze. Die ursprünglich offen gedachten Flächen sind zu einem Verbund vieler kleiner Büros geworden.

Der Grund ist messbar. Offene Bereiche sind oft unregelmässig ausgelastet, während private und halbprivate Büros eine deutlich konstantere Nutzung verzeichnen. Wer Teams unterbringt, zahlt nicht für eine Atmosphäre, sondern für planbare Arbeitsfähigkeit.

Was Unternehmen wirklich brauchen

Ein Team braucht anderes als ein Solo-Selbständiger. Vertraulichkeit bei Gesprächen und Daten. Fokus ohne ständige Geräuschkulisse. Einen Raum, der die eigene Marke trägt und nicht beliebig wirkt. Die Möglichkeit, Mitarbeitende verlässlich an einem Ort zusammenzuführen. Das private Büro liefert genau das, ohne die Bindung eines klassischen Mietvertrags.

Coworking ist damit Teil der Standortstrategie geworden, nicht mehr die Übergangslösung. Ein Unternehmen nutzt das Headquarter für Führung und Markenpräsenz, flexible Büros für verteilte oder regionale Teams und Meetingräume für periodische Zusammenarbeit. Dieser Mix gibt Kontrolle über Kosten und Auslastung, und den Mitarbeitenden mehr Wahl.

Der Schweizer Markt: Zürich vorn

Im Schweizer Markt steht die Entwicklung erst am Anfang ihres Potenzials. Der aktuelle Marktanteil flexibler Büroflächen liegt bei rund einem Prozent, Anbieter rechnen mit einem Wachstum auf 6 bis 10 Prozent des gesamten Büromarkts in den kommenden Jahren. Zwischen 2019 und 2024 hat sich die flexible Fläche in Zürich, Basel, Genf und Zug verdreifacht, wobei nur Zürich ein konstantes Wachstum zeigt.

Entscheidend ist, wer diese Flächen nachfragt. Die Hauptnachfrage kommt von Unternehmen mit 2 bis 15 Arbeitsplätzen, am beliebtesten sind klassische, abschliessbare Büros. Genau das Profil also, das HeadsQuarter adressiert. Das offene Flex Desk ist hier nicht das gesuchte Produkt.

Die Rechnung aus Sales-Sicht

Für Entscheider zählt nicht nur die Fläche, sondern das Modell dahinter. Ein privates Büro im flexiblen Vertrag verbindet drei Vorteile, die ein klassischer Mietvertrag nicht zugleich bietet: kurze Laufzeiten, Skalierbarkeit nach oben und unten sowie planbare Vollkosten inklusive Ausstattung, Empfang und Infrastruktur. Wer wächst, bucht zu. Wer ein Projekt abschliesst, gibt Fläche ab. Die Verpflichtung über zehn Jahre entfällt.

Das hat auch eine bilanzielle Seite. Unter IFRS 16 führt ein langfristiger Mietvertrag zu einer Leasingverbindlichkeit und einem Nutzungsrecht in der Bilanz. Kurzfristige und serviceorientierte flexible Vereinbarungen lassen sich je nach Ausgestaltung als Aufwand behandeln, statt die Bilanz zu verlängern. Für CFOs ist das ein konkretes Argument, nicht nur ein Komfortthema.

Fazit

Coworking ist erwachsen geworden. Aus dem geteilten Tisch für den Freelancer ist eine professionelle Workspace-Lösung für Teams und Unternehmen geworden. Die Nachfrage hat sich vom offenen Platz zum privaten Büro verschoben, weil Unternehmen Vertraulichkeit, Fokus und Markenpräsenz brauchen, ohne sich langfristig zu binden. In Zürich trifft dieser Trend auf einen Markt, der noch viel Wachstum vor sich hat. Wer heute flexible Bürolösungen anbietet, verkauft kein Flex Desk mehr. Er verkauft einen Unternehmensstandort auf Zeit.


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